„Da berühren sich Himmel und Erde...“ - Die christliche Gemeinde und ihr (liturgischer) Raum.
Einer
der frühesten Gottesdienste, von denen in der Bibel berichtet wird,
fand auf einem Schiff statt. Paulus feierte ihn mit den Matrosen eines
in Seenot geratenen Schiffes, und es heißt dazu in der
Apostelgeschichte: "Nach diesen Worten nahm Paulus Brot, dankte Gott
vor den Augen aller, brach es und begann zu essen. Da fassten alle Mut
und aßen ebenfalls. Wir waren im ganzen 276 Menschen an Bord." (Apg
27,35-37).
Mehreres wird an diesem Bericht deutlich, so Dr.
Stephan Winter vom Seelsorgeamt Osnabrück: Gottesdienst kann man
prinzipiell überall feiern, aber er hat immer bestimmte Abläufe und
Elemente, die sich immer wieder finden. Dies sind vor allem die
Sammlung der Gläubigen, das Hören des Wortes Gottes, und schließlich
der Lobpreis und der Dank, die Eucharistie.
Das Zweite
Vatikanische Konzil hat daher fest gelegt, dass diese ursprüngliche
"Kommunikationsstruktur", die Jesus gefunden hat im Abendmahlssaal,
wieder die Grundlage für die Gestaltung von Kirchenräumen sein soll.
Der Gottesdienstraum einer christlichen Gemeinde trägt daher den
Charakter einer "gerichteten Versammlung". Die versammelte Gemeinde
richtet sich darin aus auf das Wort Gottes (am Ambo) und auf den
Lobpreis in der Eucharistie (am Altar). An vielen Beispielen
(Norderney, OS-Schinkel, Meppen St. Paulus) konnte dieses neue Modell
einer Communio-Kirche anschaulich gemacht werden.
Mit dem
anwesenden Architekten Tilgner wurde anregend diskutiert, auf welche
Weise diese Gedanken auch bei der anstehenden Renovierung in Bad Essen
realisiert werden könnten.
Die Zukunft von Kirche
Dr. Bernhard Spielberg von der Uni Würzburg hielt in Bad Essen einen Vortrag zum Thema „Stirbt
die Kirche in Deutschland aus?". Auf der Basis der Sinus-Milieustudie
konnte er darstellen, wie unterschiedlich Menschen in Deutschland
"ticken" und was dies für Pfarrgemeinden bedeutet.
Das wichtigste Ergebnis der Milieuforschung ist, dass es in allen
Milieus und Schichten der Gesellschaft religiöse Fragen und Sehnsüchte
gibt, die sich allerdings sehr unterschiedlich äußern. Bei der
Umgestaltung eines Kirchenraumes, wie es zur Zeit in Bad Essen geplant
ist, oder eines Pfarrheims ist zu bedenken, dass es nicht gelingen
wird, alle Milieus gleichermaßen anzusprechen. Ein konsequent
durchgeführtes Raumkonzept kann jedoch durchaus "milieudurchlässig"
sein, fordert aber auch den Mut, von den üblichen ästhetischen Vorgaben
abzuweichen.
Mit den Ergebnissen der Milieuforschung soll in der Kirchengemeinde weiter und vertiefend gearbeitet werden.